Der dritte Festivaltag widmet sich dem Zuhören, der unbewussten Kommunikation und der Verlangsamung in einer Zeit von Reizüberflutung und verkürzten Austauschformen. Im Zentrum steht Burning Song, das neue Werk der US-amerikanischen Organistin und Klangkünstlerin Kali Malone für Orgel, Violoncello und Gitarre. Gemeinsam mit der Cellistin Lucy Railton und dem Gitarristen Stephen O’Malley bringt sie es in der Pauluskirche zur Aufführung; ergänzt wird das Programm durch ausgewählte Werke aus ihrem umfangreichen Orgelschaffen.
Mit Burning Song schlägt Malone kompositorisch einen neuen Weg ein. Während viele ihrer früheren Orgelwerke von streng angelegten Strukturen und kanonischen Verfahren geprägt sind, entsteht die Musik hier freier und intuitiver. Langsam aufeinanderfolgende Akkorde, feine klangliche Veränderungen und kaum merkliche Übergänge bestimmen den Verlauf. Die einzelnen Stücke gehen ineinander über und bilden einen grossen musikalischen Bogen, der weniger einer vorgegebenen Form als der unmittelbaren Entwicklung des Klangs folgt.
Mit Lucy Railton und Stephen O’Malley setzt Malone zugleich eine Zusammenarbeit fort, die sich bereits bei Does Spring Hide Its Joy entwickelt hat. Das Zusammenspiel der drei beruht wesentlich auf genauem, gegenseitigem Zuhören: Orgel, Violoncello und akustische Gitarre verschmelzen über lange Strecken zu einem gemeinsamen Klangkörper, verändern sich allmählich und bewegen sich zwischen dunklen, schwebenden und zunehmend leuchtenden Klangräumen.
Gerade darin verbindet sich Burning Song unmittelbar mit dem Thema des Festivaltages. Verständigung findet hier nicht über Worte statt, sondern im gemeinsamen Hören und Reagieren, in feinsten Veränderungen von Klang, Spannung und Resonanz. Die Langsamkeit der Musik fordert eine andere Form der Aufmerksamkeit: Wahrnehmung braucht Zeit. Malones Musik schafft dafür einen Raum, in dem sich das Hören zunehmend nach innen richtet und selbst kleinste Veränderungen an Bedeutung gewinnen.
Hier können Sie in das neue Album hineinhören.
