Der achte Festivaltag widmet sich der Wiederholung als Grundlage von Kommunikation. Im Zentrum steht die von Jean Rondeau (Cembalo) kuratierte und aufgeführte Solo-Performance Sisyphe, die Wiederholung nicht als statisches Prinzip versteht, sondern als lebendigen, sich ständig wandelnden Prozess. Formen wie Chaconne oder Passacaille beruhen auf der permanenten Rückkehr eines Musters, das sich mit jeder Iteration verändert – ein Prinzip, das auch Sprache prägt.
Denn auch Sprache funktioniert über Wiederholung: Wörter, Strukturen und Figuren kehren wieder, werden variiert und neu kontextualisiert. Bedeutung entsteht dabei nicht einmalig, sondern aus der Differenz innerhalb der Wiederholung. In diesem Sinne wird Musik bei Rondeau zu einem Denken im Klang – nahe an Sprache, ohne an sie gebunden zu sein.
Gleichzeitig hebt Sisyphe die klare Gliederung des klassischen Konzerts auf. Statt abgeschlossener Teile entsteht ein kontinuierlicher Fluss zwischen Improvisation und Interpretation, der eher an gesprochene als an geschriebene Sprache erinnert: ein Strom von Gedanken, der sich entwickelt, zurückkehrt und neu ansetzt.
Repetition wird so zur Grundlage von Kommunikation selbst – als Erinnerung, Erwartung und Variation. Das Stück bewegt sich zwischen Wiedererkennen und Überraschung, zwischen Struktur und Freiheit.
Hier finden Sie einen Trailer zu Sisyphe.
Sound Engineer: Silouane Daâge
